temeres
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01.04.2010, 08:21 |
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Ich hatte ferne Musen und ging mit Notizblock und Currywurst in den Park, nicht weit von meiner Stadtbibliothek entfernt, und setzte mich auf eine Bank, neben einer weiteren, noch unbesetzten, die aber bald einem prominenten Paar diente, das sich, wie ich bald sah, heimlich heute hier verabredet hatte, um nun, übertrieben formuliert, ein gesellschaftlich komatöses Desaster zu bereden. Die schöne Frau, oder vielleicht sollte ich sagen, die getriebene Liebste, hatte mehrere Städtereisen hinter sich. Sie trug unter dem rechten Arm eine zerbeulte Hutschachtel und links davon, baumelnd unter beringter Hand, eine bunt geschnürte Geschenktüte, die vermutlich von einem Wäschehaus um die Ecke stammte. Der Mann, ein wenig älter und unbekannter als sie, war früher gekommen und hatte sie, minutenlang erst lesend, dann aufspringend und nervös auf- und abgehend, hoffnungsvoll erwartet, hatte sich zweimal einen langschößigen Bratenrock auf- und wieder zugeknöpft, war mehrmals fahrig durch sein schwarz geadeltes Haar gefahren, hatte also voller Unsicherheit und Leidenschaft immer aufgeregter Ausschau nach ihr gehalten.
Ihre schillernden Namen, die ich bei ihrer Begrüßung sehnsuchtsvoll geflüstert aus vielen Mündern vernahm, waren zuvor kreuz und quer über Rasenflächen geflogen, sich säumig suchend, um dann, just als sich die Liebsten in der Ferne entdeckt hatten, Gottseidank raschen Schrittes näher zu kommen, sodass ich, mit ihnen, ebenfalls erleichtert registrierte, dass sie endlich zueinander kamen, um nicht länger, von der Unruhe des Mannes angesteckt, meine eigene Wurst saurer als nötig verdauen zu müssen.
Mit jedem ausführlichen Schritt, den sie näher kamen und vor meinen Augen größer wuchsen, bemerkte ich, wie artig die beiden mir liebgeworden waren, dass sie immer noch gefielen und wie sehr ich mir dennoch nur beinahe wünschte, sie würde vor ihm abdrehen und auf meiner Bank Platz nehmen. Ihr langer, schwer schwingender bordeauxfarbener Rock hatte zwar bei jedem Vorgehen sämtliche Fersen gestreichelt, aber ihr Mantel, unter dem sie eine steife und mit Rüschen besetzte Bluse trug, blieb auf eine ferne Weise, die heute eher relevant denn elegant ist, ungeöffnet. Schon Jahre zuvor hatten sie ihre Arme einander weit ausgebreitet.
„Wir müssen reden“, hatte er verlangend gekichert. „Wir müssen reden!“
„Ja! Aber ja!“ hatte sie noch mühevoll unter seinen stürmischen Küssen geflüstert.
Aber während sie sprachen, versuchte ich vergeblich, stichwortartig festzuhalten, was sie einander zuraunten. Es ging nicht. Letztlich nahm ich nur einen typisierenden Blick auf immer gleiche Charaktere, auf pompöse Verkleidungsstücke, die nicht wesentlich anders schienen als heutige Moden und ihre Sachlichkeiten, während leiser werdende voluminöse Zeilen nicht gleich verraten, was dankbar keiner vergisst, bis alle Kleider fielen und gehen konnten.
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