Alle Jahre wieder

Sterne unter Sternen, Sterne  im Himmel und die kleinen, filligranen Sterne der Schneekristalle, die leise in die Landschaft schweben. Es geht nun also mal wieder auf die Jahres-Mitternacht  zu, die Erdnatur in unseren Breiten schläft bis sie zur Stunde der Weihnacht das Mysterium erfahre: das Licht der “Sonne um Mitternacht”.

Schweift der Blick über die Landschaft, ist, von den Skeletten der Bäume mal abgesehen, die gesamte Biosphäre, das Leben der Tiere und Pflanzen, in den Lüften und auf der Erde, kaum noch wahrnehmbar. Das meiste Kraut ward welk, die Blumen sind verblüht, die Bäume entlaubt, und die Fauna verkroch sich oder sank in den Winterschlaf. Nur die linerae Zeit des Menschen kennt zwar Schläfrigkeit aber kein Schläfrigsein für Tage, Wochen und Monate. Der Mensch im Angesicht der Natur, oftmals labil und wehrlos in der Welt seiend, ist bestimmt dadurch, dass er in einem Prozess fortwährender Selbstverwirklichung, nach aussen oder innen oder gar Göttlichkeit hin unaufhörlich ein aktives Wesen zu sein hat. Mensch sein, heißt Mensch werden.

Tierkreis-Mensch

Das ist wohl eine Sonderstellung, die sich der Mensch da selbst eingeredet hat oder sich hat einreden lassen. Eine andere Stellung aber ist die, dass nur bei ihm, sonst nirgends, in der Mannigfaltigkeit der Kreaturen, Barmherzigkeit gefunden werden kann: allein er ist den Zwängen der Physis, des Bios und der emotionalen Psyche von seiner aktiven Anteilnahme an der Wirklichkeit kosmischer Zyklen her so weit emanzipiert – zumindest der Möglichkeit nach, dass er Brüderlichkeit in einer Ganzheit des Geschaffenen erkennen kann. Die Erfahrung  zeigt und lehrt zwar, dass er, infolge eben dieser Freiheit, nur allzu oft das Gegenteil verwirklicht und darin eine Bestialität erreichen kann, die kein Tier je zustande bringen könnte. Ein Tier ist niemals machtgierig oder grausam aus sich selbst heraus.

Vom Mythischen her ist in unserem Kutlurkreis der Dezember der Menschwerdungsmonat im göttlichen Sinne. Wie es so schön anthroprosophisch betrachtet heißt: die Menschwerdung des Weltenlogos, denn “ehe Abraham ward, bin ich” – kennzeichnet den Mythos, dass (wer es feiert), das Fest der Weihnacht nicht im Prunk des Juni und dazuhin in einem hellerleuchteten, prunkvollem, fürstlichen Palast, sondern in der längsten, kalten und dunklen Nacht des Jahres bei Ochs und Esel angesichts einer armseligen, nur mit Stroh gefüllten Krippe gefeiert wird, in der das göttliche Kind, dass gläubigen Christen ja als das Erlöserkind gilt, liegt.

Haben wir nicht alle eine kalte, längste Nacht, ein inneres Stückchen Stall in uns, wo Ochs und Esel stehen und rings um uns umher das endlose Dunkel waltet? Genau dort, so wirkt der Mythos, will und soll das Fünklein aufglimmen, die Sternensaat des Alls in uns, dort will und soll die “geheime Nacht” zum Weiheereignis werden. Um solcher mystischen Beschenkung willen, ist das Weihnachstfest ein Kult.

Leider ist es alsbald missverstanden, das Weihnachstfest, das durch Winter, Dunkelheit und Armut als Umwelt und Zustand der Lichtgeburt (Christi) (ein alchymstischer Prozess, wenn man so will) gekennzeichnet ist, wurde und ist zur Angelegnheit eines allgemeinen Warenaustausches, dem manch fieberhaften Besorgungsjagden vorausgehen, so arg, dass am “heiligen Abend” in der Nacht, die ja still sei, oftgar eine Erschöpfung übrigbleibt, die nur noch durch Trubel oder gar Streit in der Familie übertäubt werden kann. Doch dem lässt sich durchaus entrinnen indem ich im Weihnachtsmythos widerum aufs neue das erkenne, was er von alters her wirklich ist: Mysterium der Stille, Empfang und Erinnerns der Göttlichkeit, der numinosen Geburt im verborgensten Innern des eigenen Seins.

Ausser dem Lichterbaum (der durchaus auch als Lebensbaum vorgestellt werden kann) in mancher Weihnachtsstube, steht der unendliche Lichterbaum des Sternenalls vor uns. Er leuchtet manch einem Menschen auch auf dem Pfad zum neuen Jahr. Jedes unserer Jahre ist ein Stück Pensum in der “Pflanzenschule für eine Welt von Geistern”, wie Johann Wolfgang Goethe die Erde einmal nannte.

Dies ist voraussichtlich, für dieses Jahr, der letzte Blogbeitrag meinerseits. Bis denne also, und , macht es gut!

Euer Arkis

4 Antworten zu “Alle Jahre wieder”

  1. Eizi sagt:

    Bis denne, lieber Arkis und danke Dir für diesen fürstlichen Blog. :)

  2. Arkis sagt:

    :) Ich Dir auch

  3. Nova sagt:

    Danke für diesen Beitrag Arkis, ich werde davon Einiges die nächsten Tage bedenken! :) Ich wünsche Euch ein besinnliches Weihnachtsfest und eine schöne Zeit zwischen den Jahren! Ich hoffe, 2010 wird ein gutes Jahr für uns werden! ;o)

  4. Arkis sagt:

    Dankeschön, Nova, dir auch alles besinnliche für alle Sinne! :)

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