Archiv für den Monat April 2010

Sonne

Montag, 19. April 2010

Der Wind      den Vorhang      am Fenster
bewegend spielt

die Sonne    den Schatten    am Stoff

In zwei Welten zugleich

Samstag, 10. April 2010

Zunächst denkt man, das passt doch nicht zusammen: die letzten Partisanengefechte im faschistischen Spanien 1944 und die Fantasiewelt einer Elfjährigen, die sich als Prinzessin träumt. Aber Guillermo del Toro vollbringt in “Pans Labyrinth” das Kunststück, die historische und die fantastische Ebene auf so unheimliche Weise ineinander zu verweben, dass man völlig vergisst, darüber nachzudenken, ob sich das eine zum anderen nun allegorisch, symbolisch oder sonst wie verhält.

Es sind finstere Zeiten, in denen die kleine Ofelia sich wieder findet. Ihr Vater ist tot, ihre Mutter hat einen faschistischen Oberst geheiratet. Unausgesprochen wird klar, dass es sich dabei um einen hässlichen Deal handelt, mit dem die schöne Frau sich um den Preis der Geburt eines Stammhalters das eigene Überleben sichert. Zu Beginn des Films ziehen Mutter und Tochter zum Oberst, der von einer alten Mühle aus seinen Dienst gegen die Partisanen verrichtet. Der neue Vater offenbart schnell einen unheilvollen Hang zu exzessiver Gewalt und eine unangenehme Fixierung auf das ungeborene Kind. Ofelia muss sich ihre eigenen Verbündeten schaffen: Mercedes, die Haushälterin der Mühle, und das geflügelte Fabelwesen, das sie dem Faun namens Pan vorstellt, der ihr drei Prüfungen auferlegt.  

Das Besondere an del Toros Film ist der tiefschwarze Pessimismus, der jeden Fantasy-Kitsch im Keim erstickt. Die Welt, in die Ofelia flüchtet, ist nicht minder grausam als die schreckliche Wirklichkeit. Schlimmer noch: Während um sie herum die Hoffnung auf ein Überleben der Partisanen dem Wüten des Obersts zum Opfer fällt, verzweifelt das Mädchen an den von Pan gestellten Aufgaben. Die “fantasierte” Verzweiflung fühlt sich echter an als das Erschrecken über die realen Entwicklungen. Im unsentimentalen Sinn für das Unabänderliche des schlechten Ausgangs – schließlich wäre alles andere Geschichtsfälschung – zeigt sich del Toros Sensibilität. Er nimmt seine kleine Protagonistin auf eine Weise ernst, die selten ist. “Pans Labyrinth” fasziniert nicht nur wegen seiner visuellen und atmosphärischen Originalität, sondern wegen des tiefen Verständnisses für die verschlungene Wirkungsmacht der Mädchen-Magie.
 

Barbara Schweizerhof
Dieser Text ist zuerst erschienen in der: taz

Quelle: http://www.filmzentrale.com

http://de.wikipedia.org/wiki/Pans_Labyrinth

Trailer

Der verborgene Stil

Freitag, 09. April 2010

Der verborgene Stil, ist der wesentliche Stil. Dieser verborgene Stil verläuft, manchmal mäandernd in Schleifen, wie ein durchsichtiger Faden durch alle Kunst hindurch und kann, je nachdem mal feiner mal grober, in aller Kunst erlebt, gefühlt, erfahren, vorgestellt und wahrgenommen werden. Man kann sagen: ich kann von allem inspiriert sein, was da ist, sei es geistiger Art, mittels Imagination oder real. In meiner Alchemistenküche läuft alles zusammen, und im geheimen, verborgenen Gefäss der Gefässe wird dann alles, was da an Information reinkommt, mittels “der schwarzen
Kunst” von mir wieder aufbereitet …

das ist wie bei Sire George Ripley’s Kröte … kochen, sieben, trennen, zusammenfügen, nochmal kochen … destillieren, mischen, separieren, nochmal mischen, dazutun, weglassen, erhitzen, sanft abkühlen … und so weiter … bis das Elexier, das Gold, das Große Werk vollendet ist … darüber aber schweigen die Meister oder sie ergehen sich gar in rätselhafter Rede ….

Gepriesen seien sie alle wer uns solch geheimen Mittel schenkt ….

© Arkis

Jede Kunst ist in ihrem Wesen vorwiegend Ausdruck des Prärationalen (des Prälogischen) und des Irrationalen, wobei das Mentale als Ordnungskraft mitspielt; sie ist also vornehmlich innerhalb der magischen und mythischen Bewußtseinsstrukturen beheimatet. Ihre Wurzeln liegen wahrscheinlich noch tiefer, denn sie ist die ursprungsnaheste Ausdrucksart des Menschen.  Da sie vorwiegend in den nichtrationalen Bereichen zuhause ist, ist ihr, redlich gesprochen, jedwede mentale Interpretation ungemäß. Jede Deutung eines Kunstwerkes bleibt ein Wagnis. Was sich im Tone ausdrückt, was in Bauformen oder in Zeichnung und Farbe Gestalt annimmt, ist mit  dem Wort nicht wiederholbar. Wie soll also mit Mitteln der Sprache Aufschluß gegeben werden über Werke der Musik, der Malerei und Architektur, die sich ohne Sprache Ausdruck verschaffen?

Das, was nur sprachlos echte und unmittelbare Äusserung ist, kann nicht 1 zu 1 ins Wort übersetzt werden. Und das nachempfindende, sezierende, analysierende oder vergleichende “Sprechen über” die Kunst gibt uns keine Hinweise, am wenigsten auf das Aperspektivische, das sich gerade in den
Künsten, den seismografischen Äusserungen des Menschen, am deutlichsten (oder doch am stärksten) spiegelt und damit ablesbar sein sollte.

Zum Begriff ”prälogisch”  … steht hier im Forum noch etwas.